Anke Stiller

 

OHNE TITEL II

50 × 70cm, C-Print, 2009/2016

 

Das Motiv der Fotoarbeit „OHNE TITEL II“ zeigt ein spezifisches Detail eines Werbeplakates im Stadtraum, die Zacken eines Sternes, wie es des Öfteren in der Werbung genutzt wird. Die Fotografie entstammt einer Fotoserie von 2009, in welcher ich mich mit der Bildwelt von Postern und Plakaten anhand verschiedener prägnanter, fotografischer Ausschnitte beschäftigte, welche ich mit meiner Kamera auf meinen zahlreichen Streifzügen in verschiedenen Städten einfing. Mein Blick konzentrierte sich dabei auf den repräsentativen, typisierenden Gehalt dieser Plakate, deren Bildmotive uns täglich im Stadtraum unterbewusst überfluten. Diese Fotoarbeit spielt bewusst mit dem, den Werbebotschaften inhärenten, dynamischen Spannungsfeld zwischen Fülle und Leere. Das in der Ausstellung gezeigte Stern-Motiv, welches für mich eine Art Quintessenz bzw. „Superzeichen“ der Werbung zeigt, wird parallel zur Ausstellung auf wechselnden Großflächenplakatwänden im öffentlichen Raum in der Umgebung des Kunsthauses präsentiert. Im Stadtraum ausgestellt, als Werbung ohne Werbung, wirkt es absurd und entlarvt in dieser Absurdität die Bild-Strategien seiner Vorbilder.

In der Ausstellung sieht man das jeweilige, aktuelle Dokumentationsfoto der zeitgleich präsentierten Plakatwand in der Stadt.

 

Ich arbeite als Bildende Künstlerin medienübergreifend in den Bereichen konzeptuelle Grafik, Performance, Videokunst und Fotografie. In meinen größtenteils konzeptuell geprägten Arbeiten untersuche ich kulturbestimmende, massenmediale Phänomene. So benutze und zitiere ich zum Beispiel Werbesprüche, Details von Werbeplakaten, Songtexte oder die Schlagzeilen der Bild-Zeitung, um sie in neue Kontexte oder stringente Vergleichsreihen zu setzen. Dies geschieht aus dem soziologischen Interesse heraus, etwas über den aktuellen Stand der Gesellschaft zu erfahren, der sich in ihren Produkten widerspiegelt. Dabei möchte ich vor allem die gegenwärtig in diesen überwiegend stereotypen Erzeugnissen beinhalteten Leitbilder herauskristallisieren und hinterfragen. 

 

Meine seriellen, performativen Videoarbeiten, in denen ich selbst als Soloperformerin agiere, beschäftigten sich auf andere Weise mit dem Spannungsverhältnis von Individualität und Stereotypie, Differenz und Wiederholung in unserer durch die multipräsente Show der Medien geprägten Wirklichkeit. Zur Erarbeitung dieser Performances experimentiere ich mit „Performance-Maschinen“ – bestimmten Arbeitsstrukturen und Versuchsanordnungen (z.B. Zufallsgeneratoren) – welche mich als Performerin zum Performen zwingen und aufgrund dieses strukturellen Zwanges Freiheit, verstanden als Potential differenten Ereignens, ermöglichen.

 

1980 geboren in Rudolstadt, lebt und arbeitet in Weimar.

 

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