Holger Wilkens

 

64 Grau

70 × 100cm, C-Type Print, 2014
aus der Serie »Proto Dry«

 

Was ist Grau? Wann ist ein Grau kein Grau mehr oder ab wann wird etwas zu Grau? Im digitalen Verfahren ist es sehr einfach, ein numerisches Grau herzustellen. Mischt man die Farben des additiven Farbsystems Rot, Grün und Blau in gleichen Anteilen zusammen, so erhalten wir ein theoretisch perfektes Grau. Im Digitalen gibt es rechnerisch noch keine Probleme. Kompliziert wird es erst, wenn man versucht, die digitalen Daten in die reale Welt zu bringen. Graukarten, die den Anspruch haben, ein neutrales Grau von 18 % zu reflektieren, unterscheiden sich teilweise deutlich voneinander. Auch wenn sie zu Produktionsbeginn „neutral“ wären, so würden sie sich aufgrund ihrer Zusammensetzung im Laufe der Zeit verändern. So kann es passieren, dass sich Materialien durch die Einwirkung von Licht zersetzen, wodurch sich die inneren Strukturen ändern und damit ihre Farbigkeit oder andere Materialien sich anlagern und so den ursprünglichen Farbeindruck verändern. Auch spielt die jeweilige Beleuchtungssituation samt ihrer Farbtemperatur mit hinein. In der Arbeit „64 Grau“ wurde versucht, ein möglichst neutrales Grau im RA-4 Prozess zu finden. Dieses wurde als Mittelpunkt eines neuen Farbraumes definiert. Anschließend wurde jedem der drei Kanäle eine Tiefe von zwei Bit zugeordnet, sodass sich für jeden Kanal vier Stufen ergeben, welche sich gleichmäßig um den „neutral“ grauen Mittelpunkt des Systems legen. Die Minima und Maxima der einzelnen Kanäle wurden dabei so gewählt, dass sie nur einen sehr kleinen Bereich um das Grau abbilden. Anschließend wurden die entstehenden Farbfelder zufällig gemischt und auf das Fotopapier belichtet. Aus der Kombination der drei Kanäle mit jeweils zwei Bit Farbtiefe ergeben sich 64 Farb- bzw. Grauflächen. Durch die Begrenzung des Farbraums auf einen sehr kleinen Bereich liegen die Farbfelder alle nah beieinander, sodass jede der Flächen für sich, ähnlich einer Graukarte, als Grau wahrgenommen werden könnte. Durch die Kombination der Flächen werden die Unterschiede jedoch sichtbar, in etwa so, als würde man zwei Graukarten nebeneinander halten.

 

Geboren 1985 in hamburg, lebt und arbeitet in Weimar.

 

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